Gemini API Datenschutz: Speichern ist jetzt Standard

6 Min. Lesezeit Nicolas Goldstrass

// kurz gesagt

Bei neuen Projekten im kostenpflichtigen Tarif speichert die Gemini API Anfragen über die Generate Content API jetzt standardmäßig. Bestehende Projekte behalten ihre bisherige Einstellung. Wer über die API Kundendaten verarbeitet, muss die Speicherung nach der DSGVO begründen können oder sie abschalten, entweder pro Anfrage mit store=false oder für das ganze Projekt in AI Studio.

Stand: Oktober 2026. Wenn du eine App, einen Chatbot oder eine Automatisierung mit Gemini baust und dafür in den letzten Tagen ein neues Projekt angelegt hast, speichert Google deine Anfragen wahrscheinlich gerade mit. Das ist kein Fehler, sondern die neue Voreinstellung. Für alles, was mit Kundendaten zu tun hat, solltest du sie kennen.

Was passiert ist

Am 26. Oktober 2026 hat Google im Changelog der Gemini API die Änderung „Generate Content API storage on by default“ veröffentlicht. Neue Projekte im kostenpflichtigen Tarif speichern Anfragen über die Generate Content API jetzt standardmäßig, also mit store=true. Betroffen sind die Aufrufe generateContent, streamGenerateContent und batchGenerateContent.

Bestehende Projekte behalten laut Changelog ihre aktuelle Einstellung. Die Dokumentation zu Logs und Datasets präzisiert das: Für Projekte, die vor dem 26. Oktober 2026 angelegt wurden, bleibt die Speicherung aus (store=false), außer jemand hat sie vorher in AI Studio eingeschaltet. Dieselbe Seite hält fest, dass auch die Interactions API Anfragen standardmäßig speichert.

Die Speicherung von Logs gibt es laut Google-Doku nur für Projekte im kostenpflichtigen Tarif. Laut den Nutzungsbedingungen der Gemini API darfst du API-Clients für Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum, in der Schweiz und in Großbritannien nur über die kostenpflichtigen Dienste anbieten. Wer hier eine App für Kunden betreibt, ist also genau in dem Tarif, für den die neue Voreinstellung gilt.

Was genau gespeichert wird

Laut Doku siehst du in den Logs den vollständigen Prompt, die Antwort von Gemini und den Kontext der vorherigen Gesprächsrunden. Nicht geloggt werden unter anderem Imagen- und Veo-Modelle, Embedding-Modelle sowie Eingaben mit Videos, GIFs oder PDFs.

Die Seite „Data logging and sharing“ regelt, was mit den Logs passiert:

  • Aufbewahrung: Logs werden standardmäßig maximal 55 Tage aufbewahrt. In AI Studio kannst du pro Projekt 7, 14, 28 oder 55 Tage einstellen.
  • Training: Bei Projekten mit Abrechnung werden Prompts und Antworten in den Logs laut Google nicht zur Produktverbesserung genutzt.
  • Datasets: Logs, die du in ein Dataset übernimmst, laufen laut Doku nicht ab. Teilst du ein Dataset mit Google, gelten die Bedingungen für unbezahlte Dienste: Google darf die Daten zur Verbesserung seiner Produkte nutzen, und menschliche Prüfer können sie lesen.

Was die DSGVO dazu sagt

Wenn Kundinnen und Kunden über deine App Namen, E-Mail-Adressen, Vertragsdetails oder Gesundheitsangaben eingeben, sind das personenbezogene Daten. Werden die Prompts zusätzlich gespeichert, ist das eine weitere Verarbeitung. Dafür bist du als Verantwortlicher zuständig, nicht Google.

Drei Stellen der DSGVO sind hier einschlägig:

  • Datenminimierung, Art. 5 Abs. 1 lit. c DSGVO: Daten müssen „auf das für die Zwecke der Verarbeitung notwendige Maß beschränkt sein“.
  • Speicherbegrenzung, Art. 5 Abs. 1 lit. e DSGVO: Daten dürfen nur so lange in identifizierbarer Form gespeichert werden, „wie es für die Zwecke, für die sie verarbeitet werden, erforderlich ist“.
  • Datenschutz durch Voreinstellungen, Art. 25 Abs. 2 DSGVO: Der Verantwortliche muss durch Voreinstellungen sicherstellen, dass nur die für den jeweiligen Zweck erforderlichen Daten verarbeitet werden. Das gilt ausdrücklich auch für die Speicherfrist.

Genau hier wird die neue Voreinstellung heikel. Speichert dein Projekt Anfragen, ohne dass du dafür einen Zweck festgelegt hast, kannst du kaum begründen, warum das erforderlich sein soll. Logging ist damit nicht verboten. Wer Logs zur Fehlersuche oder Qualitätskontrolle braucht, sollte den Zweck dokumentieren, die Aufbewahrung so kurz wie möglich einstellen und die Speicherung in der Datenschutzerklärung erwähnen.

Zur Rolle von Google: Laut Nutzungsbedingungen verarbeitet Google Prompts und Antworten der bezahlten Dienste unter dem „Data Processing Addendum for Products Where Google is a Data Processor“, also als Auftragsverarbeiter. Nach Art. 28 Abs. 1 DSGVO darfst du nur mit Auftragsverarbeitern arbeiten, die hinreichende Garantien für geeignete technische und organisatorische Maßnahmen bieten. Ob das für deinen Fall reicht, musst du selbst prüfen oder prüfen lassen.

Wie die Lage bei anderen Anbietern aussieht, habe ich in Ist ChatGPT DSGVO-konform? und Ist Claude DSGVO-konform? aufgeschrieben.

So schaltest du die Speicherung ab

Google nennt im Changelog zwei Wege:

Für das ganze Projekt: Öffne das Logs-and-Datasets-Dashboard in AI Studio, geh in die Einstellungen (Settings) und schalte das Logging für die Generate Content API aus. Laut Doku gilt das pro Projekt und getrennt für jede API. Hast du mehrere Projekte, musst du jedes einzeln prüfen.

Für einzelne Anfragen: Setz in der Konfiguration der Anfrage store auf false. Laut Doku hat der Wert in der Anfrage Vorrang vor der Projekteinstellung. Das funktioniert ab diesen SDK-Versionen:

SprachePaketMindestversion
Pythongoogle-genai2.33.0
JavaScript@google/genai2.31.0
Javagoogle-genai1.79.0
Gogoogle.golang.org/genai1.76.0

Der Vorrang wirkt in beide Richtungen. Ist das Projekt-Logging aus, aber irgendwo im Code steht store=true, wird diese Anfrage trotzdem gespeichert. Eine Suche nach store im Code lohnt sich.

Interactions API: Schaltest du dort das Logging ab, kann die API laut Doku Gesprächsverläufe nicht mehr automatisch speichern und abrufen, außer du überschreibst das pro Anfrage.

Was es für dich bedeutet

Für Selbstständige und kleine Teams, die mit der Gemini API arbeiten, schlage ich diese Reihenfolge vor:

  1. Projekte durchgehen. In Projekten, die du ab dem 26. Oktober 2026 angelegt hast, ist die Speicherung laut Google standardmäßig an. Bei älteren Projekten prüfen, ob jemand das Logging früher eingeschaltet hat.
  2. Zweck klären. Brauchst du die Logs nicht: abschalten. Wenn doch: Aufbewahrung auf das Minimum setzen, laut Google sind 7 Tage möglich.
  3. Dokumentation nachziehen. Speicherst du personenbezogene Daten in den Logs, gehört das in deine Datenschutzerklärung und in deine interne Dokumentation.
  4. Keine Kundendaten in geteilte Datasets. Sobald du ein Dataset mit Google teilst, gelten laut Google andere Regeln, inklusive menschlicher Prüfung.
  5. Regel für das Team festhalten. Wer neue Projekte anlegt, prüft die Logging-Einstellung als festen Schritt. Das passt gut in eine KI-Richtlinie für dein Unternehmen.

Meine Einschätzung: Für Prototypen ohne echte Kundendaten sind die Logs praktisch, weil du siehst, was dein Prompt tatsächlich an Gemini schickt. Sobald echte Personen mit deiner App arbeiten, würde ich die Speicherung abschalten oder bewusst einschalten, mit kurzer Frist und dokumentiertem Zweck.

Quellen

Häufige Fragen

Speichert die Gemini API meine Anfragen?

Bei neuen Projekten im kostenpflichtigen Tarif speichert die Generate Content API Anfragen jetzt standardmäßig (store=true). Bestehende Projekte behalten ihre bisherige Einstellung, die laut Google aus ist, sofern sie niemand in AI Studio eingeschaltet hat.

Wie kann ich das Logging der Gemini API deaktivieren?

Für das ganze Projekt schaltest du es in AI Studio im Logs-Dashboard unter Settings ab. Für einzelne Anfragen setzt du store auf false. Der Wert in der Anfrage hat Vorrang vor der Projekteinstellung.

Nutzt Google gespeicherte Gemini-API-Logs zum Training?

Laut Google werden Prompts und Antworten in den Logs bei Projekten mit Abrechnung nicht zur Produktverbesserung genutzt. Anders ist es, wenn du ein Dataset aktiv mit Google teilst: Dann darf Google die Daten nutzen und menschliche Prüfer können sie lesen.

Ist die Gemini API DSGVO-konform?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Entscheidend ist, wie du sie einsetzt: welche Daten du sendest, ob und wie lange gespeichert wird, ob ein Auftragsverarbeitungsvertrag greift und ob deine Datenschutzerklärung das abbildet.

Du willst das selbst ausprobieren?

Im KI-Tutoring baust du mit mir an deinem eigenen Projekt. Allein oder in einer kleinen Gruppe, 100 % online.

15 Minuten kennenlernen
Nicolas GoldstrassDer Nerd von nebenan. Baut Apps, Plattformen und Automatisierungen und zeigt dir, wie das geht.

Weiterlesen