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Sokrates: Wie mein KI-Agent sieben Marken steuert

5 Min. Lesezeit Nicolas Goldstrass

// kurz gesagt

Sokrates ist mein eigener KI-Agent. Er basiert auf Claude Code, ich steuere ihn per Telegram, und er arbeitet für sieben Marken: Lead-Suche, Demo-Seiten, Videos, Antwortentwürfe für Social Media, Monitoring, Newsletter-Versand und Search-Console-Zahlen. Freigaben erteile ich im Dashboard Sokrates Studio. Das Prinzip: Der Mensch entscheidet, die KI arbeitet.

Wer mehrere Marken gleichzeitig betreibt, kennt das Problem: Jede braucht dieselbe Routinearbeit. Kontakte finden, Inhalte vorbereiten, Kennzahlen prüfen, schauen, ob alles läuft. Für jede dieser Aufgaben gibt es ein eigenes Abo-Tool, und jedes will gepflegt werden. Ich habe einen anderen Weg gewählt und mir einen eigenen KI-Agenten gebaut. Er heißt Sokrates und steuert heute sieben Marken. Hier beschreibe ich, was er tut, was gut läuft, wo ich als Mensch bewusst die Kontrolle behalte und was du daraus für dein eigenes Unternehmen mitnehmen kannst.

Was ist Sokrates?

Sokrates ist ein KI-Agent, also ein Programm, das Aufgaben selbstständig in mehreren Schritten erledigt, statt nur auf eine Frage zu antworten. Wenn dir der Unterschied zu einem Chatbot noch unklar ist, hilft der Ratgeber Was ist ein KI-Agent?.

Technisch besteht Sokrates aus drei Teilen:

  • Das Gehirn ist Claude Code. Mit Claude Code arbeite ich ohnehin jeden Tag. Es kann Dateien lesen und schreiben, Programme ausführen und mehrere Schritte hintereinander planen. Das macht es zu einer guten Grundlage für einen Agenten.
  • Die Steuerung läuft über Telegram. Ich gebe Sokrates Aufträge per Nachricht, ohne ein eigenes Programm öffnen zu müssen.
  • Die Freigabe läuft über Sokrates Studio. Das ist ein Dashboard, in dem ich sehe, was Sokrates vorbereitet hat, und entscheide, was davon umgesetzt wird.

Was Sokrates für sieben Marken erledigt

Sokrates übernimmt sieben Arten von Aufgaben:

  1. Lead-Suche: potenzielle Kunden finden.
  2. Demo-Seiten: Beispielseiten erstellen.
  3. Videos.
  4. Antwortentwürfe für Social Media.
  5. Monitoring: 17 Dienste, alle 5 Minuten geprüft.
  6. Newsletter-Versand über ein eigenes System.
  7. Search-Console-Zahlen: die Kennzahlen aus Googles Werkzeug für Website-Betreiber.

Unterm Strich ersetzt Sokrates fünf Abo-Tools.

Die Aufgaben haben drei Dinge gemeinsam: Sie wiederholen sich, sie folgen erkennbaren Regeln, und ihr Ergebnis lässt sich überprüfen. Genau das ist der Bereich, in dem KI stark ist. Sie unterscheiden sich aber in einem wichtigen Punkt, nämlich darin, wie viel schiefgehen kann:

Art der AufgabeBeispiele aus der ListeRisiko bei einem Fehler
nach innenMonitoring, Search-Console-Zahlengering: Ich sehe eine falsche Zahl und frage nach
vorbereitendLead-Suche, Demo-Seiten, Antwortentwürfemittel: Ein Mensch prüft, bevor etwas passiert
nach außenNewsletter-Versandhoch: Was verschickt ist, ist verschickt

Diese Einteilung empfehle ich jedem, der einen Agenten plant. Sie entscheidet, wo du eine Freigabe brauchst.

Was gut läuft

Monitoring ist die perfekte Agenten-Aufgabe. 17 Dienste alle 5 Minuten zu prüfen, schafft kein Mensch nebenbei. Für eine Maschine ist es Routine. Sie wird nicht müde und vergisst nichts.

Weniger Werkzeuge, ein Ort. Fünf Abo-Tools weniger heißt fünf Rechnungen, fünf Logins und fünf Oberflächen weniger. Der Gewinn ist nicht nur Geld, sondern Übersicht.

Steuern per Nachricht. Ein Auftrag an Sokrates ist eine Telegram-Nachricht, kein Termin am Schreibtisch und keine neue Oberfläche, die ich lernen muss.

Vorbereitung statt leerer Seite. Bei den Antworten für Social Media steckt das Prinzip schon im Namen: Sokrates schreibt Entwürfe, keine fertigen Antworten. Ich starte nicht bei null, sondern mit einem Vorschlag, den ich annehme, ändere oder verwerfe.

Wo der Mensch bleiben muss

Mein Grundsatz für Sokrates lautet: Der Mensch entscheidet, die KI arbeitet. Dafür gibt es Sokrates Studio. Ich halte diese Trennung für unverzichtbar, aus drei Gründen.

Erstens: KI-Fehler klingen überzeugend. Ein Agent liefert auch dann ein sauber formuliertes Ergebnis, wenn es falsch ist. Studien zeigen, dass Menschen solche Fehler leicht übersehen. Mehr dazu im Beitrag Macht KI wirklich produktiver?.

Zweitens: Agenten verfolgen ihr Ziel hartnäckig. OpenAI veröffentlicht seit dem Spätsommer 2026 Berichte über Fälle, in denen eigene Modelle in Training und Tests Grenzen überschritten haben, etwa indem sie Zugangsdaten nutzten, die sie nicht hätten nutzen dürfen. Das sind Testumgebungen der Hersteller, aber die Lehre gilt für jeden Agenten: Er braucht klare Grenzen, und jemand muss hinschauen.

Drittens: Verantwortung lässt sich nicht delegieren. Wenn ein Newsletter an die falsche Liste geht oder eine Antwort den falschen Ton trifft, steht mein Name darunter, nicht der von Sokrates. Für alles, was nach außen geht, gelten außerdem rechtliche Regeln, etwa die Einwilligung beim Newsletter. Die prüft kein Agent für mich.

Was du daraus lernen kannst

Du brauchst keine sieben Marken, um von einem Agenten zu profitieren. Diese sechs Regeln gelten auch für einen Betrieb mit drei Leuten:

  1. Fang mit einer Aufgabe an, nicht mit sieben. Am besten mit einer, die nach innen wirkt. Monitoring deiner Website ist ein guter Start: wenig Risiko, sofort spürbarer Nutzen.
  2. Trenne Vorbereiten und Ausführen. Der Agent schreibt Entwürfe, sammelt Daten, macht Vorschläge. Ausgeführt wird erst nach deinem Ja.
  3. Bau dir eine Freigabestelle. Das muss kein Dashboard wie Sokrates Studio sein. Am Anfang reicht ein Chat, in dem der Agent fragt und du antwortest.
  4. Gib nur die Rechte, die nötig sind. Ein Agent, der Zahlen lesen soll, braucht keinen Schreibzugriff. Ein Agent, der Entwürfe schreibt, braucht keinen Versand-Knopf.
  5. Ersetze Abo-Tools erst, wenn der Ablauf stabil läuft. Kündige das alte Werkzeug nicht am ersten Tag.
  6. Steuere dort, wo du ohnehin bist. Ob Telegram, E-Mail oder Teams: Der beste Kanal ist der, den du ohnehin täglich öffnest.

So könnte dein erster Agent aussehen

Ein Website-Monitor ist ein guter erster Agent, weil er nur liest und nichts nach außen verändert. Mit einem Coding-Agenten wie Claude Code kannst du ihn dir in einem Gespräch bauen lassen. Ein Start-Prompt:

Baue mir ein kleines Programm, das alle 5 Minuten prüft,
ob meine Website und mein Kontaktformular erreichbar sind.
Wenn etwas nicht antwortet, schick mir eine Nachricht per Telegram
mit Uhrzeit und Fehlermeldung.
Das Programm darf nur lesen, nichts ändern und nichts veröffentlichen.
Erkläre mir jeden Schritt, bevor du ihn ausführst.

Die letzten beiden Zeilen sind die wichtigsten. Sie legen fest, was der Agent nicht darf, und zwingen ihn, dir seine Schritte zu zeigen. Läuft der Monitor ein paar Wochen stabil, kommt die nächste Aufgabe dazu, zum Beispiel ein wöchentlicher Bericht mit deinen Search-Console-Zahlen.

Wie du technisch vorgehst, welche Werkzeuge sich eignen und wo die Fallstricke liegen, beschreibt der Ratgeber eigenen KI-Agenten erstellen. Weitere Einblicke in meine Arbeit, von Sokrates bis zu meinen eigenen Apps, findest du unter Projekte.

Mein Fazit

Ein KI-Agent ist kein Ersatz für einen Unternehmer, sondern ein sehr fleißiger Assistent ohne eigenes Urteil. Sokrates nimmt mir die Routine ab, und ich behalte die Entscheidungen. Diese Arbeitsteilung ist für mich kein Zwischenschritt, bis die KI gut genug ist. Sie ist das Ziel.

Meine Meinung

Der größte Gewinn ist für mich nicht die gesparte Zeit, sondern der freie Kopf. Ein Agent ohne Freigabeschritt wäre trotzdem keine Option. Je mehr ein Agent kann, desto wichtiger wird die Stelle, an der ein Mensch Ja oder Nein sagt.

Häufige Fragen

Was ist Sokrates?

Sokrates ist der KI-Agent von Nicolas Goldstrass. Er basiert auf Claude Code, wird per Telegram gesteuert und übernimmt Aufgaben für sieben Marken. Freigaben laufen über das Dashboard Sokrates Studio.

Kann ich mir einen KI-Agenten wie Sokrates selbst bauen?

Ja, die Bausteine sind frei zugänglich: ein Coding-Agent wie Claude Code, ein Kanal zur Steuerung wie Telegram und eine Stelle für Freigaben. Fang mit einer einzigen, klar umrissenen Aufgabe an, zum Beispiel dem Monitoring deiner Website.

Welche Aufgaben sollte ein KI-Agent nicht allein erledigen?

Alles, was nach außen geht oder sich schwer rückgängig machen lässt: Antworten an Kunden, Veröffentlichungen, Zahlungen, das Löschen von Daten. Hier bereitet der Agent vor, und ein Mensch gibt frei.

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